Es geht auch anders - Geschenke müssen nicht grausam sein


Wer kennt diese Situation nicht:
Wir sind auf einer Hochzeit eingeladen. Alles ist wie immer, der kirchliche Teil zieht sich ewig in die Länge, man kämpft mit dem Schlaf und das Hinterteil leidet grausame Schmerzen auf der unbequemen Kirchenbank. Nachdem wir das hinter uns gebracht haben, muss die Seele leiden: Jetzt sind die Gespräche mit der lieben Verwandtschaft dran, die wir die ganze Zeit doch eigentlich gar nicht vermisst haben. Das wird aber im Folgenden noch getopt. Jetzt müssen wir die Angehörigen der „gegnerischen Hochzeitspartei“ kennen lernen. Eigentlich sehen die ja sowieso alle komisch aus. Aber wir dürfen uns ja auf keinen Fall was anmerken lassen und stürzen uns tapfer in die Small Talk-Schlacht. Nach einiger Zeit geht es dann zum Essen, und wir sind froh, endlich unsere Ruhe zu haben, denn mit vollem Mund bringen die ganzen Leute immerhin wenigstens nur noch die Hälfte an Zwangskonversation heraus.

Eine Möglichkeit, das eigene Bewusstsein vor dieser ganzen Grausamkeit in Sicherheit zu bringen, wäre sich völlig zu betrinken. Kostet ja schließlich nichts. Die andere Option wäre einfach zu gehen. Beides wäre skandalös und ungehörig, also entscheiden wir uns zu bleiben. Gut. Vielleicht sind Hochzeiten einfach so, vielleicht gibt es an dem, was bis jetzt war einfach nichts zu ändern, da muss man halt durch. Aber das was jetzt kommt, hätte die Hochzeitsgesellschaft sich und dem Paar wirklich ersparen können:

Es geht an die Geschenke, und auf dem Gabentisch türmen sich sieben Küchenmaschinen, fünf Tellersets und acht Mikrowellengeräte. Es herrsch betretenes Schweigen, es werden verlegene Scherze gemacht und das Paar sagt, alles sei doch gar nicht so schlimm. Aber in Wirklichkeit ist das Fest gelaufen, und das weiß auch jeder der Anwesenden.

Dabei wäre alles so einfach gewesen. Was braucht ein Paar wirklich, wenn es einen gemeinsamen Haushalt gründen will, in einer Wohnung oder einem Haus, in dem man sich einfach wohl fühlen soll? Wandschmuck! Was kann schlimmer sein als Wände, die denen, die sie beheimaten nichts bieten als den Anblick ihrer Raufasertapeten? Das Junge Paar hätte Gemälde gebraucht, man kann da auch schlecht zweimal das Gleiche kaufen, und wenn doch - ab in die Garage damit! Ja, ein Gemälde wäre das passende Geschenk gewesen.

Name: Florian Mayer
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